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Betreff: Hilfs- /Spendenanfrage von Tobias Kruse (16.01.10)

Hallo zusammen, ich leite hiermit die Email von Tobias Kruse, einem der Mitbegründer der iNAG, an alle Newsletter-Empfänger weiter. Er absolviert momentan sein soziales Jahr in einem Kinderhilfsprojekt in Costa Rica, das auf jeden Fall unterstützenswert ist. Habt Ihr Ideen, wie wir Tobias unterstützen könnten? Vielleicht sprecht Ihr ja mal mit Euren Klassenlehrern oder Euren Eltern...
Herzliche Grüße
Ansgar Laufenberg für die iNAG

Hallo iNAG!

ich hoffe, euch geht es gut und ihr seid noch nicht vom Sibirischen Winter eingeschneit worden!

Hier in San José spielt das Wetter momentan auch verrückt (die Leute hier schieben das wirklich auf den Klimawandel) Eigentlich sollte es im Januar heiß und trocken sein. Anstelle dessen ist es, wie momentan fast überall auf der Welt, kalt. Es schneit zwar nicht, aber es regnet viel. Man sagt hier, dass der September, den ich hier ja leider nicht miterlebt habe, zu trocken und heiß war und das deshalb jetzt der ganze Regen herunterkommt.
Das bedeutet, ich laufe die ganze Zeit nur mit Pulli und noch einer Jacke herum - und das in Costa Rica!
Ich bin hier in meinem Haus aber auch immerhin auf 1300m über dem Meeresspiegel. Das sind noch einmal 400 mehr als San José. Das merkt man schon ganz erheblich!

Nun möchte ich mich an euch aber wegen einer etwas ernsthafteren Angelegenheit wenden:

Ich bin gerade dabei verschiedene Leute in Deutschland anzuschreiben, da es nämlich bei uns in dem Projekt ein erhebliches finanzielles Problem gibt.... und unter die möglichen Sponsoren fällt eben auch die iNAG bzw. habe ich auch an das Pascal-Gymnasium gedacht.

Der Hauptsponsor von unserem Projekt, der der größte Getränkehersteller Costa Ricas ist ("Florida Bebida"), fährt nämlich sein Engagement in dem Projekt auf Grund der Finanzkrise erheblich zurück, sodass plötzlich ein Loch von 40.000 US-D entstanden ist, dass jetzt irgendwie wieder aufgefüllt werden muss.
Unser Auftrag als Freiwillige ist es momentan Sponsoren oder Spender aus dem Ausland zu finden, die uns mit einem beliebigen Betrag unterstützen könnten.

Das Projekt ist so aufgebaut, dass es in erster Linie gegen Kinderarbeit vorgeht. Die Kinder, die in dem Projekt sind, kommen aus wirklich armen Familien und normalerweise müssten diese Kinder auf der Straße oder im Haus arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. An dieser Stelle greift dann aber die Organisation DNI ("Defensa de Niñas y Niños Internacional" http://www.dnicostarica.org/) ein. Die Organisation gibt den Eltern dieser Kinder, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, ungefähr 15 US-D im Monat. Diese Summe macht für die Familien dann den entscheidenden Unterschied. Mit diesem Geld können die Kinder nämlich zur Schule gehen und müssen eben nicht auf der Straße arbeiten.

Im Gegenzug müssen die Kinder einmal oder auch mehrmals wöchentlich zu den Nachmittagseinheiten kommen, wo sie nochmals betreut werden. In diesen Einheiten liegt momentan der Schwerpunkt auf der Verbesserung des Sozialverhaltens der Kinder. Da viele Kinder von ihren Eltern keine Zuneigung erfahren, können sie auch nur sehr schwer freundschaftliche Gefühle an andere Kinder weitergeben. Es wird nun versucht dieses Sozialverhalten Stück für Stück zu verbessern.

Darüber hinaus wird aber auch die schulische Entwicklung der Kinder überwacht. Sie müssen eben auch ihre Schulzeugnisse einreichen und bei einer Verschlechterung bekommen die Kinder in den entsprechenden Fächern Nachhilfe (häufig auch von uns). Falls die Kinder trotz dieser Nachhilfe und der anderen Fördermaßnahmen aus der Schule herausgeworfen werden, wird automatisch auch die finanzielle Förderung beendet. Dadurch wird ein gewisser Druck auf die Kinder aufgebaut, der sicherlich auch nötig ist, damit sie motiviert zum Schulunterricht gehen.

Insgesamt ist das Projekt also komplett auf die Zukunft dieses armen Stadtviertels San Josés angelegt. Es wird kein Geld für kurzfristige Hilfe, wie z.B. Lebensmittelspenden ausgegeben, sondern nur in die Bildung der Kinder investiert...das finde ich besonders gut an dem Projekt.

Das Problem wäre jetzt, wenn wir das Geld nicht zusammen bekommen würden, hätte das im Extremfall die Konsequenz, dass einige Kinder einfach nicht mehr von dem Projekt gefördert werden könnten. Das würde für die Kinder bedeuten, dass sie nicht mehr zur Schule gehen könnten. Da die Kinder in unserem Projekt aber noch keinen Schulabschluss haben, würden sie die Schule ohne einen solchen verlassen. Wenn es also soweit käme, wäre die ganze Arbeit der letzten Jahre für diese Kinder praktisch wertlos geworden, da sie ohne Schulabschluss natürlich kaum einen gut bezahlten Arbeitsplatz finden können. Die Kinder müssten dann wieder auf der Straße oder im Haus arbeiten und der Teufelskreis der damit verbunden ist, kann somit nicht durchbrochen werden.

Ich kann mir vorstellen, dass momentan sicherlich überall auf der Welt das Geld etwas knapp ist und besonders natürlich mit Bezug auf die schrecklichen Ereignisse auf Haiti, hat mein Projekt hier eine andere Stufe der Hilfsbedürftigkeit. Aber die Hilfe in diesem Projekt ist eben auf eine länger Zeit und mit Blick in die Zukunft des Stadtviertels angelegt. Die Organisation hat es bisher immerhin geschafft, dass es in diesem armen Stadtviertel keine Kinderarbeit mehr auf der Straße gibt!

Nun zur eventuellen Förderung: Ich weiß nicht, wie viele Kapazitäten ihr momentan habt und ob es noch mal möglich wäre einen besonderen Tag für diese Projekt zu organisieren (Waffelverkauf, Fußballturnier, Konzert etc.). Damit könnte man dem Projekt natürlich schon erheblich helfen!

Ansonsten schwebt mir aber noch eine andere Idee vor:
Die Förderung für ein einzelnes Kind hier würde 55 $ = 38 Euro im Monat kosten. Vielleicht könnte man einige Lehrer motivieren, eine solche Kinderpatenschaft für die Klassen vorzuschlagen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir in der 8. bis zur 10. Klasse bei Frau Roth ein solches Patenkind hatten. Wir haben damals auch einen regelmäßigen Briefkontakt mit dem Patenkind aufgebaut. In diesem Zusammenhang könnten natürlich auch Brieffreundschaften auf Spanisch entstehen, was ja für einige Kurse vielleicht ganz interessant sein könnte.

Das war also jetzt so eine kleine Projektbeschreibung mit den entsprechenden Vorschlägen, wie man hier ganz konkret helfen könnte.
Ich würde mich freuen, wenn ihr euch dazu vielleicht mal ein paar Gedanken machen könntet und das vielleicht auch in der Gruppe zur Diskussion stellt.


Liebe Grüße an alle,

Tobi

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