Info über allgemeine Problemlagen
Hier gibts den folgenden Artikel "Was ist die Nachhaltigkeits-AG" von Tobias Bock als pdf zum Download
„Wer will, dass die Welt bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt“
- Erich Fried -
Du willst mitmachen?
Dann komm doch einfach mal vorbei. Wir treffen uns dienstags um 15.15 Uhr im iNAG/SV-Büro bei den Kunsträumen. Außerdem findet jeden ersten Dienstag im Monat ein Filmnachmittag zum Thema "Nachhaltigkeit" und zum kennenlernen von neuen Interessierten statt.
Wie erreiche ich die Nachhaltigkeits-AG?
Ansprechpartner für die AG sind Herr Laufenberg und Herr Bock.
Was macht die Nachhaltigkeits-AG?
Detaillierte Informationen findest du in dem folgendem Artikel:
Was ist die Nachhaltigkeits-AG?
Du willst wissen wer wir sind und was wir machen? Du willst wissen was uns antreibt und wie wir vorgehen? Dann nimm dir etwas Zeit und ließ dir das hier durch:
Linkstruktur des Artikels
Wer wir sind
Die Hauptprobleme der heutigen Welt
Großbereich I: Ressourcenverschwendung/ Ressourcenübernutzung
Welthunger: „Fleisch frisst Menschen!“
Fischfang: „Überfischt und übersäuert!“
Wasserknappheit: „Konflikte um das blaue Gold!“
Großbereich II Wirtschaftsystem
Ansätze der Sozialwissenschaften und Konsumentensouveränität
Was ist zu tun?
Wer wir sind
Seit geraumer Zeit gibt es an unserer Schule die sogenannte „iNAG“! Was genau will diese „innovative Nachhaltigkeits-AG“ überhaupt?
Zunächst einmal wollen wir kritisch informieren, weil die Schüler interessiert sind an Umweltthemen und – weil ihre vitalsten Interessen berührt werden - ein Recht auf umfassende Informationen zur Zukunft Ihres Planeten haben. In der Untersuchung "Green at Fifteen" wurden so z.B. Kompetenzen, aber auch die Einstellung von 15-Jährigen zum Thema Umwelt abgefragt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte auf Basis der Daten ihres PISA -Bildungsvergleichs 2006 erstmals eine solche Studie durchgeführt. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass Schülerinnen und Schüler demnach stark an Umweltthemen interessiert sind und diese für wichtig halten. Gleichzeitig aber verfügen sie häufig nur über geringe Kenntnisse der Zusammenhänge. Entsprechend fällt ihre Einstellung zum Umweltschutz aus. Je weniger sie wissen, desto optimistischer sind sie, dass sich in den kommenden Jahren die Umweltsituation "schon klären wird."
In der AG verfolgen wir das Ziel die Schüler zu befähigen sich ein kritisches Urteil zu bilden und die globale Politik auf der Makro- , sowie das eigene Verhalten auf der Mikroebene zu hinterfragen. Als Folie dafür dient uns das Konzept der Nachhaltigkeit.
Zunächst einmal sollte an dieser Stelle knapp erklärt werden, was sich hinter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ verbirgt. Im Kern geht es bei dem schillernden Begriff „Nachhaltigkeit“ darum, dass sich eine Entwicklung vollziehen soll, die „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ (Brundtland Kommission, 1987) Das bedeutet, dass in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht alle Entwicklungen daraufhin geprüft werden sollen, ob sie das zukünftige Leben auf unserem Planeten gefährden. Wenn man der (im Kern moralischen) Forderung zustimmt, dass wir in unserer Lebensweise die Lebenschancen unser Kinder und Kindeskinder nicht gefährden sollten, kommt man unserer Meinung nach am Konzept der Nachhaltigkeit nicht vorbei!
Doch wieso ist diese Frage uns so wichtig, dass wir an dieser Schule eine AG dafür ins Leben gerufen haben?
Letztlich ist diese AG der Erkenntnis zu verdanken, dass unser aller Lebensstil, also unsere Art, wie wir mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unser aller Lebensraum umgehen, nicht verallgemeinerbar ist. Wenn alle Menschen so leben würden, wie wir es tun, bräuchten wir mit Sicherheit 3-4 weitere Planeten…davon abgesehen ruinieren wir aber nicht nur die zukünftigen Lebenschancen auf dem Planeten, sondern schneiden uns selbst auch heute schon permanent ins eigene Fleisch. Wir ruinieren nicht nur die Umwelt, Mitmenschen auf anderen Kontinenten, sondern vergiften auch unsere eigenen Körper und auch unseren Geist. Unsere Lebensweise ist also alles andere als nachhaltig!
Getreu dem Motto von Meadows (dem Vater der „Grenzen des Wachstums“ des berühmten Club of Rome) – „find a few and make them strong“ – wollen wir mit einigen Schülern Themen aus vielfältigen Bereichen „nachhaltig“ anstoßen und vor allem auch mit Spaß Akzente in unserer Schulkultur setzen.
Die Hauptprobleme der heutigen Welt
An dieser Stelle wären eigentlich die bisherigen Resultate des verbrauchenden Lebens und Wirtschaftens und die von diversen Instituten berechneten Zukunftsprognosen anzuführen, doch alle Phänomene angemessen zu erfassen ist schier eine Unmöglichkeit. Allein das Ökosystem ist zu komplex, um alle Wechselwirkungen zu erfassen und auch die Gesellschaft hat so viele verschiedene Wirkungsmechanismen, dass es nicht möglich ist mit 100%-iger Sicherheit fundierte Aussagen über die Zukunft treffen zu können. (Eine solche Rechnung hätte unendlich viele Variablen und wäre mit der Schwierigkeit versehen, dass sich während der Berechnung wiederum die Formel selbst verändern würde – Die Rechner sind ja immer Teil des zu berechnenden Systems…)
Was aber aus den vorliegenden komplexen ökonomischen, ökologischen und sozialen Wechselwirkungen herausgefiltert werden kann, sind zumindest bestimmte Trends und Wahrscheinlichkeiten. Alle folgenden Aussagen sind der derzeitig letzte Stand der „Sozialwissenschaften“ und anderen Bereichen, wie z.B. auch der Naturwissenschaften. Die angeführten Studien sind (und das ist ein wichtiger Punkt) nicht etwa von Ökoaktivisten mit einem ideologischen Hintergrund angefertigt, sondern durchaus als weitgehend neutrale Fakten der z.B. Weltbank oder UNO zu bewerten. Sie sind das Ergebnis der Forschungen der fähigsten Wissenschaftler, die die Menschheit derzeit im Angebot hat!
Großbereich I: Ressourcenverschwendung / Ressourcenübernutzung
1.) Welthunger: „Fleisch frisst Menschen!“
Ca. 800 Mio. Menschen leiden unter Hunger. Alle 6 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von chronischer Unterernährung! Es sterben 10% aller Kinder in den Entwicklungsländern vor dem Erreichen des fünften Lebensjahrs. Hunger ist die Folge von extremer Armut und den ungleichen Konsummustern der ersten und dritten Welt. Chronische Unterernährung verursacht auch maßgeblich Suchtprobleme, Apathie und Wachstumshemmung und erhöht die Ansteckungsgefahr für Krankheiten. Wichtig ist hierbei, neben dem Blick auf die Bedingungen des Welthandels („terms of trade“), der schlechten Regierungspraxis („bad governance“) einzelner Hungerstaaten, den „Agrarsubventionen der EU, dass zur Produktion eines Kilogramms Fleisch etwa 3-6 kg Getreide als Futtermittel Verwendung finden muss und sich der Konsum von Fleisch zunehmend als ineffizient und kontraproduktiv darstellt. Nutztiere sind in ihren Konsequenzen für den Klimawandel (Methangas, ca. 500 l pro Rind/Tag) in gleicher Weise relevant, wie der globale Transport (Handel und Individualverkehr). Wer also weitgehend auf Fleisch verzichtet leistet einen kaum zu überschätzenden Beitrag zum Klimaschutz. Gerade aber auch im Bereich der Nahrungsmittelproduktion gibt es fatale Wechselwirkungen. So erodieren und versteppen zunehmend ehemalige Ackerflächen, gleichzeitig wird Süßwasser ein Problem für den Ackerbau. Nebenbei: Sollte das Ende des Ölzeitalters drohen und jetzt tatsächlich schon „peak-oil“ erreicht sein, dann würden durch den Wegfall der petrochemischen Düngemittel die Erträge der Felder massiv zurückgehen und sich die „grüne Revolution“ ggf. umkehren. Das Problem des Welthungers verschärft sich; die ärmere Hälfte der Welt verelendet, die reichere Hälfte muss wesentlich höhere Preise für Nahrung in Kauf nehmen.
2.) Fischfang: „Überfischt und übersäuert!“
Etwas die Hälfte aller Fischbestände sind komplett erschlossen und werden bis an ihre biologische Grenzen befischt. Ein weiteres Viertel ist stark überfischt oder bereits erschöpft.
Nur etwa 3% der weltweiten Populationen wenig befischt. Demgegenüber decken ungefähr
2.6 Milliarden Menschen ihren Bedarf an tierischem Eiweiß durch Fisch. Ökonomisch sind ca. 200 Mio. Menschen anhängig vom Fischfang und der verarbeitenden Industrien. Neben der Überfischung sind die Folgen des Klimawandels ein weiterer bedrohlicher Aspekt für das Habitat „Meer“. Folgende Befürchtungen addieren sich zur Überfischung:
Übersäuerung der Meere durch verstärkte Bindung von Co2
Veränderung der Fischgründe durch Störung der Strömungsverläufe des Golfstroms.
Die Konsequenzen sind seriös noch nicht genau einschätzbar; dass sie aber nachteilig sein werden ist prinzipiell anzunehmen.
3.) Wasserknappheit: „Konflikte um das blaue Gold!“
Der durchschnittliche tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Deutschland bemisst sich auf eine Menge von ca. 130 Litern, wobei in dieser Rechnung noch nicht der Verbrauch sog. "virtuellen" Wassers enthalten ist. Rechnet man diesen - im Zuge von Produktion, Transport usw. zusätzlich anfallenden Verbrauch hinzu, ist eine Verbrauchsmenge von 2000-5000 Liter pro Person und Tag zu veranschlagen. Bereits die Produktion von nur einem Hamburger verschlingt z.B. eine Wassermenge von 2400 Litern (die Herstellung eines T-Shirts sogar stolze 4100 Liter). Doch entgegen jedes Knappheitsbewusstseins läuft durch die sanitären Anlagen der "ersten" Welt nach wie vor Trinkwasser in höchster Qualität.
Demgegenüber steht allerdings eine Masse von über 18 Prozent der Weltbevölkerung, die über keinen angemessenen Zugang zu Trinkwasser verfügen. Besonders betroffen ist Afrika mit ca. 300 Millionen Menschen ohne Zugang zu kostbaren Nass. Heute schon sterben etwa vier Millionen Menschen jährlich an den direkten Folgen verschmutzten Trinkwassers (Durchfall, Infektionskrankheiten etc.) In Zukunft droht durch den Wandel des Klimas eine extreme Verschärfung der Situation. So weisen Bevölkerungsprognosen der UN darauf hin, dass sich bereits im Jahr 2050 bis zu 9-10 Milliarden Menschen das Süßwasser der Erde teilen müssen. Bereits jetzt gibt es Staaten, die natürliche Wasserläufe blockieren und die Wasserversorgung als politisches Druckmittel einsetzen. Konflikte um diese knappe, aber lebenswichtige Ressource sind in den bereits betroffenen Regionen schon zu beobachten.
Großbereich Klimawandel
Eisbohrungen in der Arktis und atmosphärische Messungen belegen inzwischen eindeutig, in welchem Großexperiment sich die Menschheit derzeit befindet: Seit Beginn der Industrialisierung, d.h. innerhalb von rund 250 Jahren, stieg der Kohlendioxidgehalt (eines von insgesamt 6 „Klimagasen“) in der Atmosphäre von 280 auf ungefähr 370 ppm (parts per million). Damit ist ein Niveau gegeben, das die Anreicherung während der letzten 250 000 Jahre weit übertrifft. Eine Korrelation von Temperatur und Co2-Anteilen in der Atmosphäre muss - allen Theorien über natürliche Klimazyklen und der Wirkung von Sonnenflecken zum Trotz - inzwischen als wissenschaftlich weitgehend belegt angesehen werden. Seit dem Beginn meteorologischer Aufzeichnungen (19. Jahrhundert) stieg die global gemittelte Temperatur bereits um ca. 0.6 Grad Celsius. Eisbohrungen zeigen, dass diese Erhöhung im Rahmen des letzten Jahrtausends vermutlich die höchste innerhalb der nachvollziehbaren Temperaturentwicklung des Planeten ist. Das letzte Jahrzehnt ist zudem das wärmste seit den ersten Messungen. Auch der Meeresspiegel erhöhte sich im Verlauf des letzten Jahrhundert um immerhin 15 bis 20 cm, während die schneebedeckten Flächen in den letzten 50 Jahren eine Reduktion um 10 Prozent erfuhren. Experten gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass eine Temperaturerhöhung von 3-5 Grad ein radikal verändertes Ökosystem erzeugt und bereits ein Anstieg der Meere um 0,80cm eine massive Bedrohung der Küstengebiete darstellt. Des Weiteren sind ebenso die Erhöhung der Niederschlagsmengen in mittleren und höheren Breiten der nördlichen Hemisphäre und die gleichzeitige Abnahme der Regenmenge in den Subtropen belegt. Der Klimawandel wird bewirken, dass extreme Naturereignisse, etwa durch extreme Regenfälle verursachte Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürme mit steigenden Intensitäten, weiter zunehmen. In Nordamerika sind vermehrt Stürme und Tornados mit extremen Windintensitäten zu erwarten, wohingegen in Asien Überschwemmungen wahrscheinlicher sind. In Europa wiederum ist in Zukunft neben extremen Hitzeereignissen und Fluten auch mit starken Wirbelstürmen und Orkanen zu rechnen. Wichtige, mit dem aquatischen Lebensraum verbundene, Klimaeffekte gehen auf "thermohaline" Strömungsprozesse, also sich über veränderte Dichteverhältnisse vollziehende Transporte warmen Oberflächenwassers (z.B. Golfstrom), zurück. Die Zirkulationsbewegung des Golfstroms ist so z.B. ganz maßgeblich für das milde Klima Europas verantwortlich. Ein völliger Zusammenbruch der ozeanischen Zirkulation ist zwar für das 21. Jahrhundert unwahrscheinlich, aber zumindest für die weitere Zukunft nicht auszuschließen und in seinen Folgen katastrophal.
Großbereich II: Wirtschaftsystem
Unser Wirtschaftssystem unterliegt grundsätzlich einem durch Zins bedingten Wachstumszwang. Das bedeutet, dass eine Unternehmung zur Finanzierung von neuen Produktionsverfahren und Produkten - die es benötigt um auf den Wettbewerbsmärkten zu bestehen- auf eine Kapitalisierung des Unternehmens (Fremdkapital) angewiesen ist. Eine solche Ausstattung mit Fremdkapital ist aber nur gegen eine „Verzinsung“ zu haben. Der Zins - gewissermaßen der „Preis“ des Geldes, den ein Unternehmen zu zahlen hat, wenn es Geld jenseits der Eigenkapitaldecke benötigt – ist also ein zusätzlicher Kostenfaktor für das Unternehmen. Da diese zusätzlichen Kosten an die Geldgeber (Anteilseigner, Banken …) zurückgezahlt werden müssen, ist das Unternehmen gezwungen um genau diesen Faktor einen zusätzlichen Wert (z.B. durch Wachstum des Absatzes) zu erzeugen. Dieses Wachstum wird zurzeit hauptsächlich durch lineare Verwertungsketten erreicht, die letztlich aus Rohstoffen Abfall, der noch in großen Teilen zur Verbrennung freigegeben ist, machen. Im Produktionsprozess werden zusätzlich Elemente verbraucht, deren Nutzung sich nicht im Preis widerspiegelt.
Ansätze der Sozialwissenschaften und die Konsumentensouveränität
Die Sozialwissenschaften sprechen auch davon, dass jedes Produkt:
… einen zusätzlichen „ökologischen Rucksack“ hat, der die „Materialintensität pro Dienstleistungseinheit“ (MIPS, Schmidt-Bleek) angibt. So müssen z.B. für den in einen Goldring enthalten Rohstoff „Gold“, der eigentlich ja nur mehrere Gramm wiegt, etwa 4 Tonnen Erde bewegt werden.
…. unter sog. Opportunitätskosten erwirtschaftet wird. So kann jemand, der in einer Coltanmine arbeitet, nicht gleichzeitig sein Feld bestellen, die Kinder erziehen oder sich selbst weiterbilden.
…. um letztlich auf einem funktionierenden Markt gehandelt werden zu können einen Preis haben sollte, der die realen Kosten der Herstellung spiegelt. Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung werden aber nicht völlig im Preis des Produkts erfasst, so dass letztlich eine Fehlsteuerung der Märkte („adverse Selektion“) die Folge ist. Es sind grundsätzlich alle sogenannten „externen Kosten“ (ökologische und soziale (Folge-)Schäden) in das System der relativen Preise einzubeziehen. Der weltweite Emmissionshandel (Co2-Zertifikate) ist so z.B. ein Versuch eine solche „Internalisierung“ auf internationaler Ebene zu vollziehen.
…. in der Regel auch endliche Rohstoffe verbraucht. (Selbst virtuelle Güter und Dienstleistungen verbrauchen minimale Rohstoffeinheiten) Ein solcher Verbrauch ist nicht zukunftsfähig und eine Unternehmung gefährdet letztlich die eigene Geschäftsgrundlage. Doch auch endliche Rohstoffe können mit einer einfachen Formel nachhaltig ausgebeutet werden: Zunächst müssten die vorhandenen Vorräte berechnet werden und danach muss eine jährliche Reduktionsrate berechnet werden, mit der diese Vorräte obwohl sie endlich sind für eine unendliche Zeit nutzbar gemacht werden. Ein Beispiel: Ein Rohstoff ist – ausgehend vom heutigen Jahresverbrauch – noch für 1000 Jahre vorhanden. Bei einer jährlichen Reduktion der Fördermenge um (mindestens) 0,1 Prozent des Gesamtverbrauchs wäre dieser Rohstoff für eine unendliche Zeit verfügbar.
Neben der Forderung die Verwertungsketten nach den Gesichtspunkten von „vermeiden, verringern und verwerten“ zu strukturieren, ökologische Rücksäcke zu berechnen und externe Kosten in den Preis einzubeziehen und auch endliche Rohstoff nachhaltig auszubeuten ist aber eine weitere Komponente von Bedeutung.
Die Konsumentensouveränität:
Die Konsumenten werden in den Lehrbüchern bisweilen als „Endverbraucher“ beschrieben, die durch ihre Nachfrage Märkte zu einem nicht unerheblichen Anteil steuern können und durch den Markterfolg bzw. –-misserfolg der Unternehmungen ganz maßgeblich die strukturelle Entwicklung der Wirtschaft beeinflussen. Ein wacher Konsument, der sich informiert, welche Produkte zu welchen Bedingungen hergestellt und transportiert werden, der sich dafür interessiert, ob Giftstoffe verarbeitet wurden, Lebenschancen anderer Menschen beschnitten wurden etc. kann einen großen Beitrag zu einem veränderten Wirtschaftssystem leisten. Auch die Grundfrage ob ein glückliches und qualitativ hochwertiges Leben zwangsläufig verbunden ist mit der Menge der Produkte, die ich konsumieren kann ist an dieser Stelle wichtig. Unsere Verbrauchsgewohnheiten sind unserer Meinung nach letztlich ein Spiegel unseres Denkens und unseres persönlichen Blickwinkels auf die Welt. Zwar sind pauschale Aussagen an dieser Stelle schwierig, aber unser Lebensstil scheint die Mensch letztlich nicht glücklicher zu machen. So sind wir zwar ein Staat mit sehr hoher Wirtschaftskraft, also besten Voraussetzungen für Glück und Wohlstand, glücklich sind wir dennoch nicht. (vgl. Untersuchungen zum „Gross National Happiness“-Index (GNH) der UN) „Glücklich leben, statt viel haben“ könnte ein Motto einer veränderten Lebensführung sein. Der Weg dorthin ist aber jedem selbst überlassen, wobei nur eins sicher ist: Mit den Augen verschlossen, uninformiert weiter in großem Stil Güter zu konsumieren, die auf den Knochen anderer Menschen oder der Umwelt produziert wurden wird mit Sicherheit nicht zu diesem Ziel führen!
Was ist zu tun?
Die thematisierten Probleme sozusagen bei der Wurzel zu packen, wäre ein Unterfangen, dass letztlich nicht zu stemmen ist, da hier letzten Endes an globalen politischen Strukturen gerüttelt werden muss und hier die Nationalstaaten – gerade auch angesichts einer globalisierten Ökonomie – schon strukturell überfordert sind. Also steht für uns die folgende Frage eher im Zentrum:
„Was kann der Einzelne tun?“
Unser Ansatz ist es – ohne das große Ganze aus den Augen verlieren zu wollen – die geschilderten Probleme und die subjektiven Möglichkeiten in einige knappe Regeln zu fassen:
Grundsätzlich ankern die Maßnahmen an unseren Konsumgewohnheiten, dem Transportwesen und der Ernährung:
1) Kaufe lokale Produkte, die ohne nennenswerte Transportkosten und logistischen Aufwand zu Dir gekommen sind („buy local!“)!
2) Verzichte, wenn es geht auf Fahrten mit dem Roller oder dem Auto. Fahrradfahren hält nicht nur fit, sondern ist ökologisch mehr als sinnvoll!
3) Verzichte weitgehend auf Fleisch, denn ein kg Fleisch verschlingt im Zuge seiner Produktion Unmengen von Wasser und Getreide, das anderen Menschen fehlt. Bedenke: Jedes Rind, das einen „Zersetzungsprozess ohne Sauerstoff“ durchführt – also schlicht furzt – schädigt das Klima! Fleischverzicht ist Klimaschutz!
4) Man kann durch verschiedene Organisationen seinen Co2-Verbrauch durch Spenden ausgleichen (z.B. kann man eine Flugreise durch eine Spende an „atmosfair“ ausgleichen) Nutze diese Möglichkeiten!
5) Spare Wasser! (...denn es ist mehr als knapp und schon jetzt verdursten Menschen)
6) Versuche den richtigen Preis einer Ware zu ermitteln, d.h. denke über die sozialen oder ökologischen Kosten nach, bevor Du kaufst!
7) Lass Dir nichts einreden: Du brauchst nicht ständig neue Konsumgüter, um Dich aufzuwerten! Hinterfrage die Interessen der Industrie. Lerne die Strategien der Werbung!
8) Wannimmer es geht: Rede mit Deinen Freunden und Deiner Familie über den Lebensstil, den Ihr pflegt. Das Klima schützen, die Welt gerechter gestalten und auf sich selber achten kann Spaß machen und dabei auch noch Geld sparen!
Kurz: Werde ein „Loha“!
Wichtiger Nachsatz: Wir, die Vertreter der Nachhaltigkeits-AG sind also keineswegs Öko-Aktivisten im Sinne von Rentierjackenklischee, Müsli und einer „zurück-in-die-Steinzeit-Mentalität“, sondern orientiert an (vernünftigem) Fortschritt, zufriedenem und gelassenem Miteinader und interessiert daran, einen wachen Blick auf die Prozesse dieser Welt zu behalten.
Tobias Bock im Auftrag der Nachhaltigkeits-AG